Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Herstellen der ökologischen Durchgängigkeit

Gesetzliche Grundlagen

Die europäische Wasserpolitik wurde durch die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL, 2000/60/EG) grundlegend reformiert. Die Richtlinie trat im Jahr 2000 in Kraft und zielt darauf, bis spätestens 2027 einen guten chemischen und ökologischen Zustand für Oberflächengewässer zu erreichen.

In Deutschland regelt das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) in der Fassung vom 1. März 2010 die nationale Umsetzung europäischer Richtlinien, die sich auf die Nutzung der Gewässer beziehen. In § 34 WHG wird ausgeführt, dass bei Stauanlagen an Bundeswasserstraßen die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes die zur Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit erforderlichen Maßnahmen im Rahmen ihrer Aufgaben durchführt.

Fachlicher Hintergrund

Die Bundeswasserstraßen sind für wandernde Fischarten die Hauptverbindungsgewässer zwischen den Habitaten im Meer oder in Flussunterläufen (z.B. Nahrungsgründe) und den Habitaten in Flussoberläufen und Zuflüssen (z.B. Laichplätze).

Die wandernden Fischbestände in unseren Flüssen lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:
  • Anadrome Langdistanzwanderfische haben ihre Nahrungsgründe im Meer, kehren aber zur Eiablage in Flüsse zurück.

    Beispiele sind Lachs, Maifisch, Meer- und Flussneunauge.

  • Katadrome Langdistanzwanderfische weisen einen entgegengesetzten Lebenszyklus auf. Sie haben ihre Hauptnahrungsgründe im Süßwasser und suchen zur Vermehrung im Meer gelegene Laichgebiete auf.

    Vertreter in den Bundeswasserstraßen ist der Aal

  • Potamodrome Arten führen innerhalb der Flusssysteme mehr oder weniger umfangreiche Wanderungen zwischen Nahrungsgründen, Laichplätzen, Jungfischarealen und Wintereinständen durch. Wanderdistanzen von mehreren hundert Kilometern sind belegt.

    Typische Vertreter dieser Gruppe in den Bundeswassserstraßen sind z.B. Aland, Rapfen, Quappe, Barbe und Nase

Fischauf- und Fischabstiegsanlagen

Bei Staustufen an Bundeswasserstraßen, die von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) errichtet oder betrieben werden, führt diese die erforderlichen Maßnahmen im Rahmen ihrer Aufgaben nach dem Bundeswasserstraßengesetz (WaStrG) hoheitlich durch.

Die überwiegende Zahl der WSV-Staustufen verfügt über keine ausreichend funktionsfähigen Anlagen, die die Fischwanderung und damit die Durchgängigkeit der Bundeswasserstraßen gewährleisten. Eine funktionierende Anlage zeichnet sich dadurch aus, dass sie von allen Fischen leicht gefunden und zügig durchschwommen werden kann.

In der Regel ist an jeder Staustufe mindestens eine Fischaufstiegsanlage notwendig. Insbesondere an Wasserkraftanlagen ist auch eine Fischabstiegsanlage kombiniert mit einem Fischschutzsystem erforderlich. Dies soll verhindern, dass Fische in den Ansaugbereich der Turbinen schwimmen und verletzt oder getötet werden.

Bauweisen von Fischaufstiegsanlagen

Fischaufstiegsanlagen können sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. Sie müssen aber immer ihre Funktion erfüllen, nämlich allen Fischen das Wandern zu ermöglichen. Wie eine Anlage am Ende aussieht, hängt stark von den räumlichen Gegebenheiten und technischen Möglichkeiten vor Ort ab.

Eine naturnahe Form der Wanderhilfe ist ein Raugerinne. Dies hat in der Regel einen erhöhten Flächenbedarf, insbesondere bei großen Stauhöhen.

Oftmals sind die räumlichen Verhältnisse stark eingeschränkt. In solchen Fällen wird die Aufstiegsanlage als technisches Bauwerk errichtet. Eine flexible und daher häufig gebaute Form ist der Schlitzpass. Er besteht aus aufeinanderfolgenden, stufenartig angelegten Becken, die durch Schlitze miteinander verbunden sind. Die Fische können von Becken zu Becken schwimmen und so Stufe für Stufe nach oben gelangen.

Foto einer Fischaufstiegsanlage als technisches Bauwerk Fischaufstiegsanlage Koblenz FAA Koblenz Quelle: WNA Aschaffenburg

Modellversuche und wissenschaftliche Untersuchungen der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) und der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) unterstützen die Planungen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung.

Aufgabe und Zuständigkeitsbereich des WNA Aschaffenburg

  • 56 Staustufen insgesamt an Main, Main-Donau-Kanal und Donau
  • Davon sind 47 Staustufen relevant für die Fischdurchgängigkeit
  • Zusammenarbeit mit drei Bundesländern (Hessen, Bayern, Baden-Württemberg)
  • Zusammenarbeit mit Kraftwerksbetreibern und verschiedenen anderen Beteiligten (z.B. Fischerei und Naturschutzbehörden)

Darstellung der Bundeswasserstraße Main, Main-Donau-Kanal, Donau Zuständigkeit des Wasserstraßen-Neubauamts Aschaffenburg (Main, Main-Donau-Kanal, Donau) Zuständigkeit des Wasserstraßen-Neubauamts Aschaffenburg Quelle: WNA Aschaffenburg